Nazo

Erfahrungsberichte ehemaliger Schülerinnen

Gespräch mit Schülerinnen nach der Zeugnisausgabe

1. Schülerin: Zu Hause hätte ich nie das Schneiderhandwerk gelernt. Außerdem gibt es hier den Alphabetisierungskurs, und auch die Gesundheitsberatung hilft uns sehr. Wir sind hierher gekommen, um Schneiderin zu werden – und hier lernen wir tatsächlich die Grundkenntnisse des Schneiderhandwerks. Außerdem habe ich hier viele andere Frauen kennen gelernt.
2. Schülerin: Schon jetzt geben wir zu Hause kein einziges Kleidungsstück mehr einem Schneider in Auftrag. Ich selbst habe mir schon eine Nähmaschine gekauft und kaufe die nötigen Kleinigkeiten, um die Kleidung meiner Familie selbst zu nähen. Ich bin fest entschlossen, nach der Ausbildung als selbständige Schneiderin zu arbeiten.
3. Schülerin: Zu Hause war ich immer allein. Ich litt schon unter Depressionen, weil ich keine Ausbildung machen konnte – lediglich die Hausarbeit, jeden Tag. Früher machte ich alle Hausarbeit allein, jetzt hilft auch mein Mann. Meine Tochter ist 6 Jahre alt, nach der Schule kommt sie direkt in den NAZO-Kindergarten. Dass NAZO einen Kindergarten hat – das ist großartig.
4. Schülerin: Ja, es ist wirklich gut, dass NAZO einen Kindergarten hat. Ich könnte sonst gar nicht kommen, ich habe drei Kinder von 8, 6 und 2 Jahren.
5. Schülerin: Am Anfang glaubte ich, es ist genug, wenn ich die Kleidung für meine ganze Familie nähen kann. Aber jetzt traue ich mir viel mehr zu. Wir haben schon über 30 Schnitte selbst angefertigt – und unsere Lehrerin bringt uns noch viel mehr bei.
6. Schülerin: Es ist doch so: wenn man erst einmal von zu Hause raus kommt, dann sieht man soviel, lernt neue Leute kennen – man findet dann seinen Weg selber. Wenn einem erst einmal die Augen geöffnet wurden – dann sieht die Zukunft ja viel besser aus.

Schaima, Leiterin des Hauses in Kart-enau: Einige Frauen haben Probleme, sie erhalten von ihren Familien keine Erlaubnis, ins NAZO-Zentrum zu kommen. Es wurde ihnen untersagt, hier zu lernen. Wir haben mit diesen Frauen sehr viel geweint.
7. Schülerin: Ich habe es sehr schwer gehabt, meinen Vater zu überzeugen, dass es gut ist, im NAZO-Zentrum zu lernen. Ich habe viel mit ihm gesprochen – eigentlich gekämpft. Jetzt bringt er mich jeden Tag. Ich muss ja wöchentlich 120 Afs. für den Bus bezahlen – trotzdem komme ich, weil ich hier viel lernen kann.
8. Schülerin: Ich habe ja auch einen sehr weiten Weg, ich brauche 1½ Stunden, um hier her zu kommen. Morgens um 5:30 Uhr muss ich raus, und abends gehe ich mit meinem Vater zurück.
9. Schülerin: Mein Vater sagte zu mir: „In der Talibanzeit konntest Du keine Schule besuchen, jetzt ergreife Deine Chance und mach etwas aus Dir.“ Deswegen komme ich und gebe mir alle Mühe.
10. Schülerin: In keinem anderen Kurs in Kabul kann man soviel lernen, die meisten Kurse dauern lediglich drei Monate, das ist alles – und eine Garantie, dass man dann etwas gelernt hat, gibt es auch nicht.
11. Schülerin: Natürlich suche ich mir nach der Ausbildung einen Job, entweder in der Bekleidungsindustrie oder in einer Nähmanufaktur – aber am liebsten würde ich mein eigenes Geschäft aufmachen.

Zusammenfassung der allgemeinen Meinung: "Wenn wir nach der Ausbildung tatsächlich ein Geschäft eröffnen können, dann sind wir auch bereit, Kredite aufzunehmen und diese dann später zurückzuzahlen."


Kafira, ehemalige Schülerin

Seit 5 Monaten arbeite ich im Industriegebiet in einer Näherei, die die Uniformen für die afghanische Armee näht. Momentan verdiene ich 3500 Afs*. monatlich.
Parallel dazu werde ich für die Programmierung einer computergesteuerten Nähmaschine ausgebildet.

Die Ausbildung im NAZO-Zentrum hat mir ermöglicht, bei der Uniformnäherei angenommen zu werden. Nachdem der Chef mein Zeugnis des NAZO-Zentrums geprüft hatte, behandelt er mich sehr respektvoll. Er wählte mich sogar zur Weiterbildung an der Computermaschine aus. Dann kann ich 4700 Afs Monatslohn bekommen.
Außer mir arbeiten in diesem Betrieb noch sieben weitere ehemalige Schülerinnen des NAZO-Zentrums.

Besonders wichtig an unserer Ausbildung im NAZO-Zentrum war, dass ich Selbstvertrauen gewonnen habe und mutig geworden bin. Außerdem habe ich Lesen und Schreiben gelernt.
Durch das in der Ausbildung gewonnene Selbstvertrauen lösen sich meine Probleme jeglicher Art viel besser. Zunächst hatte ich ja sogar – zu Beginn der Ausbildung – Schwierigkeiten, meine eigene Stimme zu hören.

Ich nahm auch teil an der zusätzlichen Ausbildung „Erfolgreich verkaufen“. Unser netter Lehrer „Meister Anief“ hat uns Aufgaben gegeben, unser Anliegen eindrucksvoll vorzutragen und mit stichhaltigen Argumenten durchzusetzen. Sein Unterricht hat unseren Horizont erweitert – dafür möchte ich mich persönlich bei ihm bedanken – natürlich auch bei all denen, die uns diese Ausbildung im NAZO-Zentrum ermöglichten.

Zu Hause nähe ich auch noch die Kleidung meiner Familie, etwa 3 – 4 Stück in der Woche. Meiner Schwester brachte ich bei, mir dabei zu helfen. Die kleineren Arbeiten kann sie jetzt schon selbständig verrichten.

Staatlich anerkanntes Zeugnis von Khafira. Sie sagt über ihre Ausbildung im NAZO-Zentrum:

 

Ich soll etwas finden, was nicht gut war während der Ausbildung? Das kann ich nicht finden! Alles war gut, sehr gut sogar. Die Chemie zwischen der Leitung und den Schülerinnen stimmte immer – deswegen kommen wir ja auch noch sehr gerne hier her.

Was man besser machen sollte?
Es ist sehr gut, dass es einen Kindergarten gibt. Außerdem bekommt man kostenlose Gesundheitsaufklärung und die Kinder werden kostenlos untersucht. Ich kann nichts finden, was man besser machen sollte.

Vielleicht wäre es besser, wenn die Schülerinnen perfektere Maschinen hätten.

Nochmals möchte ich mich - stellvertretend für alle Schülerinnen des Lehrganges – herzlich bedanken.
Khafira.

* 1,00 € = ca. 70 AFN (Afghani)


Jamila und Hidbibi

Jamila und Hidbibi, Absolventinnen der Schneiderausbildung im NAZO-Zentrum, arbeiten zu Hause. Sie sagen in einem Gespräch:

Direkt nach der Ausbildung im NAZO-Zentrum haben wir uns erkundigt, was man in der nahe gelegenen Nähmanufaktur verdienen kann und welches Können verlangt wird.

Parallel dazu versuchten wir, Aufträge zu bekommen, um uns im Elternhaus selbständig machen zu können. Glücklicherweise ist es uns gelungen, einen Auftrag zu bekommen, nämlich das Nähen von Vorhängen.
Auch unsere Familie hat gut mitgemacht. Unser Vater hat uns sehr unterstützt. Auch unsere andere Schwester bekam eine Nähmaschine. Zu dritt nähen wir von morgens früh bis abends spät.
Erst wenn der Vater mit uns schimpft, gehen wir zu Bett.

Es gibt Tage da verdienen wir bis zu 4000 Afs (ca. 60€), durchschnittlich verdienen wir pro Monat 25.000,-- Afs (ca. 370,- €). Jetzt sind wir spezialisiert auf das Nähen von Vorhängen, aber wir nehmen auch Aufträge aus der Nachbarschaft an und nähen Kleidung.
In der Gegend, in der wir wohnen, kommen die Frauen gern zu uns nach Haus – zumal es sonst nur die (männlichen) Schneider in der Schneidergasse gibt. Wir brauchen nicht einmal ein Schild an unserer Tür – es hat sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen, dass hier Schneiderinnen Aufträge annehmen.
Von den Nachbarn nehmen wir für ein Kleidungsstück so zwischen 200 – 600 Afs.
Wir haben jetzt zu Hause eine komplette Werkstatt. Obwohl wir nur Frauen in unserem Hause sind (außer meinem Vater), ist unser Lebensstandard viel besser geworden. Heiraten will keine von uns drei Schwestern.


Dschamila, ehemalige Schülerin:

Ich wurde im NAZO-Zentrum 18 Monate ausgebildet. Meiner Meinung nach hatte der Unterricht keine Lücken. Mit vielen Frauen aus meinem Jahrgang habe ich heute noch Kontakt. Wenn es die Zeit erlaubt, besuchen wir uns und besuchen auch das NAZO-Ausbildungszentrum.

Ich verdiene momentan so zwischen 3500 – 4000 Afs. Über mein Geld kann ich selbständig verfügen. Ich entscheide, ob ich spare, etwas für den Haushalt oder etwas für mich persönlich kaufe.

Selbständigkeit ist für uns Frauen etwas sehr Schönes.
Wir beten immer für Euch, für alle, die an diesem Projekt beteiligt sind.

Schon allein deswegen, dass wir in der Familie nicht mehr als lästiger Mitesser angesehen werden, hat es sich gelohnt. Aber der Nutzen ist ja noch viel größer: Weil wir eigenes Geld verdienen, haben wir bei allen Entscheidungen in der Familie ein Wörtchen mitzureden.

Schon von Anfang an habe ich daran geglaubt, dass wir es schaffen, mit der Schneiderei eigenes Geld zu verdienen – aber dass wir soviel Selbstvertrauen entwickeln, das wusste ich nicht – das nützt uns mindestens soviel wie der erlernte Beruf.

Dschamila hat in Kart-e-nau Nähen gelernt und sagt: