Nazo

Kindergarten

Neben dem täglichen Mittagessen bekommen die Kinder noch in zwei Pausen Milch, Obst und Kekse.

Parallel zur Ausbildung werden die Kinder der Schülerinnen und Angestellten im NAZO-Kindergarten professionell betreut. Normalerweise überlässt man die Betreuung den älteren Geschwistern zu Hause, wenn die Kinder nicht schon zum Arbeiten (oder Betteln) auf die Straße geschickt werden.

So ist ein NAZO-Kindergarten ein zusätzliches wegweisendes Angebot. Die Frauen erfahren, dass man Kinder haben und gleichzeitig einen Beruf erlernen und später ausüben kann, kurz: dass Kindererziehung ein Beruf ist. Außerdem lernen die Kinder schon früh, dass Mädchen und Jungen gleich behandelt werden können.

Doppelstöckige Bettchen im Ruheraum: Oben eine Wiege für die ganz Kleinen, unten eine Liege für die Älteren.

Mittagsruhe. Oft ist es "draußen" spannender als hinter dem leichten Vorhang.

Link zu einem Ausschnitt aus dem Film "Ein Brief aus Kabul" Teil 4, Kinder

Die beiden Kindergärten in Kart-e-nau und in Achmad Schah Baba Mina werden von allen sehr gut angenommen. Mit den Kindern wird gespielt, gesungen, getanzt, gemalt usw. Die älteren werden auf die Schule vorbereitet.
Die Gruppen sind unterschiedlich groß - so zwischen 12 und 33 Kinder. Im Winter kommen normalerweise weniger Mädchen und Jungen in den Kindergarten, weil es bitterkalt werden kann (minus 20 Grad nachts und tagsüber dann für einige Stunden ca. 0 Grad) und die Transportmöglichkeiten sehr schlecht sind. Heute kommt noch die gefährliche Sicherheitslage hinz, so dass sich viele Eltern entscheiden, die wärmere Jahreszeit abzuwarten. 

Öffentliche Verkehrsmittel gibt es so gut wie nicht - auf dem Lande überhaupt nicht. Die Straßen sind oft mit dem Auto nicht befahrbar, die Wege gefärlich - überall kann man (Kind, Frau, Mann) überfallen und / oder ausgeraubt werden. So ist schon der Schulweg für jedes Kind ein Risiko. Hier zu ein Zitat einer Schülerin aus einem meiner Filme:

"Wenn man das Haus verlässt, um zur Schule oder zur Uni zu gehen, weiß man nie ob man überhaupt wieder nach Hause kommt."


Im Winter 2001/2002, nachdem die Taliban gestürzt sind, werden die Schulen wieder geöffnet. Zunächst gibt es nur staatliche Schulen, bald aber schießen in den Städten private Bildungsanbieter wie Pilze aus dem Boden. Dort werden die Lehrer und Lehrerinnen weit besser bezahlt als in den öffentlichen Schulen. Die abgelegenen Gebiete bleiben weiterhin unterversorgt – und damit fest in den Händen der konservativen Mullahs. So bleibt es, wie es schon früher war: Eine kleine Elite kann in die Ausbildung ihrer Kinder investieren. Die große Mehrheit kann sich Schulbildung für ihre Kinder nicht leisten.

Die Kleinkinderziehung wird in Afghanistan noch überhaupt nicht thematisiert. Sie überlässt man den älteren Geschwistern. Die Schülerinnen im NAZOZentrum erfahren, dass im Kindesalter die Weichen für die Zukunft gestellt werden.

Der Lohn einer Kindergärtnerin beträgt 150 € pro Monat. Helfen Sie uns, die Lohnkosten der Kindergärtnerinnen aufzubringen.
Spenden Sie für die Betreuung der Kinder.

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Ein Mädchen schleppt Stroh.

Im Verkehrsstau: Ein Junge putzt die Scheiben eines Autos. 

Der Alltag der Kinder sieht oft so aus: Sie müssen schon sehr früh arbeiten, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Die Jungen ziehen mit einem Bauchladen oder Karren durch die Straßen, um Melonen, Kaugummi etc. zu verkaufen, oder sie putzen die Fensterscheiben der Autos.
Die Mädchen werden entweder sehr früh verheiratet – nicht selten schon mit 9 Jahren – und arbeiten dann in der Familie ihres Ehemann an unterster Stelle als „Mädchen für alles“. Oder sie werden als Hilfskräfte in die Häuser wohlhabender Afghanen geschickt, wo sie ebenfalls völlig rechtlos sind.