Nazo

Aktiv in Deutschland

NAZO* wurde 2003 von Elke Jonigkeit ins Leben gerufen. Sie dreht seit 1979 Dokumentarfilme. Seit 1985 entstanden 8 Filme in Afghanistan über die Denk- und Lebensweise der Frauen. Von Anfang an mit dabei war Nurullah Ebrahimy, zuerst als Übersetzer und Dolmetscher, später auch als Mitorganisator. Die Filmarbeit im kriegszerstörten Afghanistan brachte beide dazu, sich für die Menschen vor Ort, über die Filmarbeit hinaus, einzusetzen. Es entstanden die beiden Schwester-Vereine „Afghan Luminous Sun – NAZO Professional Cooperation Center for Afghan Women“ in Kabul und „NAZO Deutschland e.V. – Hilfe für afghanische Frauen“ in Lohmar.

Zwei Vereine - ein Ziel

 

In Afghanistan:

NAZO-Afghanistan (umbenannt in AFGHAN LUMINOUS SUN - NAZO - Professional Education Center (ALS)

 

In Deutschland:

NAZO-Deutschland - Hilfe für afghanische Frauen e.V.

 

 

Hilfe zur Selbsthilfe - Gedanken von Elke Jonigkeit

Elke und Parwin in Kabul

„Mir geht es ja noch gut - ich habe ein Dach über dem Kopf, bin gebildet, Lehrerin. Wir müssen irgendetwas für die Frauen (gemeint waren vor allem die bettelnden Kriegerwitwen) tun, die gar nichts haben.“

Das sagte meine Freundin Parwin zu mir, als wir Januar 2002 im völlig zerstörten Kabul vor der Ruine standen, die einmal ihr zu Hause war. Dieser Satz war so etwas wie ein Weckruf für mich. Seit 35 Jahren drehe ich Dokumentarfilme über Menschen, die das Schicksal hart getroffen hat. Zunächst über polnische, russische und jüdische Opfer der deutschen Nazizeit, später dann kamen die Leidgeprüften in Afghanistan hinzu. Immer lässt ein fertiger Film eine Leere in mir zurück, immer fehlt etwas. Oft baten die Protagonisten um konkrete Hilfe – aber etwas anderes als Geld konnte ich nicht geben. Ihre Probleme waren damit in den seltensten Fällen gelöst. Auch wenn mich dieser Satz meiner Freundin zunächst tief betroffen machte, so hat er mir doch die Kraft gegeben, das HILFE zur SELBSTHIL FE-Projekt NAZO ins Leben zu rufen.

Heute arbeitet NAZO schon länger als 10 Jahre. Die anfänglich überschwängliche Euphorie ist einem alltäglichen Engagement gewichen. Wir alle – in Deutschland, wie in Afghanistan – haben in diesen Jahren viele Probleme aus dem Weg räumen müssen und haben dabei viel gelernt. Aber wichtiger sind die Erfolgserlebnisse, wenn aus den verschlossenen, unterdrückten Frauen und Mädchen, die nur mit hängenden Schultern gehen, offene, selbständige Frauen werden, deren Gang aufrecht ist und die dir selbstbewusst in die Augen schauen. Heute haben sie die verschiedensten Berufe gelernt und können – wie es die Afghaninnen ausdrücken würden – „ihr Brot selbst verdienen“. Heute „stehen sie ihren Mann“ und verkaufen ihre NAZO-Produkte innerhalb und außerhalb von Afghanistan.

Die kleinen Projekte, die vor Ort von Einwohnern geleitet und betreut werden, können auf die jeweiligen Landessitten und Gebräuche eingehen, können die partiarchalen Strukturen und Empfindlichkeiten berücksichtigen. Die Einheimischen kennen die Mentalität und die Probleme der Menschen, um die sie sich kümmern und können so sehr effektiv arbeiten und nachhaltige Erfolge erzielen.

Heute ist es still geworden um die Frauen. Die offizielle Afghanistanberichterstattung kreist um‘s Militär, besonders um den Rückzug der Truppen bis Ende 2014. Auch „unsere“ NAZO-Frauen machen sich darüber Gedanken. Aber ihre einmal erreichten Rechte werden sie nicht aufgeben, dafür werden sie mit all ihren Kräften kämpfen.

„Das Jahr 2014 nähert sich. Auch unter uns Frauen wird darüber viel diskutiert. Die einen freuen sich und glauben, dass sich danach die Sicherheitsprobleme entschärfen. Die anderen denken genau das Gegenteil und haben Angst. Wir werden energisch weitermachen und unsere positive Richtung beibehalten – ohne die kleinste Verzögerung. In unseren Träumen malen wir uns unsere Zukunft blendend aus.“

So beschreiben die Töchter Hafizas, die zusammen mit Parwin den Verein in Afghanistanind Leben rief, die Stimmung unter den Frauen und Mädchen in den NAZO-Zentren.

Hafizas Töchter

Lage von NAZO-Deutschland e.V.

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