Nazo

Seminar

Frauen in Afghanistan zwischen Fundamentalismus und Emanzipation

Das Seminar beleuchtet die Auswirkungen, die der nun schon mehr als 40 Jahre andauernde weltpolitische Zank um Afghanistan auf die Emanzipationsbestrebungen der afghanischen Frauen hatte und hat. Es thematisiert die Versuche der Frauen in der Vergangenheit und Gegenwart, das kulturelle, gesellschaftliche, soziale und politische Leben mit zu gestalten und versucht damit die Öffentlichkeit für die Belange der Frauen in Afghanistan zu interessieren und zu sensibilisieren.

Das Seminar stellt im viel beschworenen Dialog der Kulturen die Frau in den Mittelpunkt. Dies erscheint mir momentan besonders wichtig, zumal erneut im Zusammenhang mit Afghanistan nur noch die Gewalt der Männer im Mittelpunkt steht. Der Kampf der Frauen gegen die überkommenen patriarchalen Strukturen ihrer Gesellschaft wird dann leicht als zweitrangig eingestuft – obwohl seit eh und je jede Reformbewegung in Afghanistan an der sogenannten Frauenfrage scheiterte. 

 

 

 

In dem Seminar Frauen in Afghanistan zwischen Fundamentalismus und Emanzipationwird die Komplexität der Spannungen zwischen Tradition und Moderne, zwischen Religiosität und Fundamentalismus, zwischen westlicher und afghanischer Denkweise untersucht. Es will Einblick in das das Leben und Denken der Frauen in Afghanistan vermitteln, Vorurteile abbauen und Verständnis für die schwierige Aufbauarbeit fördern, nach mehr als 35 Jahren Krieg und Bürgerkrieg, eine demokratische Zivilgesellschaft in Afghanistan zu etablieren.

Die Seminare mit Filmvorführungen, Vorträgen, Diskussionen, etc. vertiefen die Kenntnisse und sind besonders für die Weiterbildung geeignet. 

Vorträge

Frauen in Afghanistan

Frauen in Afghanistan

Vortrag zum Thema Frauen in Afghanistan; Leer 15.04.2013

Zunächst möchte ich mich bei Herrn Huhn und der VHS leer bedanken, dass sie diese Afghanistanwoche veranstalten – besonders weil auch das Los der afghanischen Frauen zur Sprache kommen soll.
Dem Verein L‘Afghan gratuliere ich herzlich zum 10 jährigen Bestehen und wünsche Frau Chopan und Frau Bohlken für die Zukunft die gleiche Kraft, damit sie ihr Werk erfolgreich weiterführen können.

Als ich 1988 meine Freundin Parwin kennenlernte, waren die Sowjets noch in Afghanistan. Parwin war damals die Leiterin des Mädchenpensionats der Uni Kabul. Sie trug kein Kopftuch und musste sich nicht verschleiern. Als ich sie 2002 wieder traf sagte sie zu mir:

„ Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass die Zeit des Ganzkörperschleiers zurückkommt, dass die Frauen sich wieder von Kopf bis Fuß verschleiern müssen, dass sie erneuet vor fanatischen Islamisten Angst haben müssen, die ihnen Säure ins Gesicht schütten, sie entführen, vergewaltigen oder gar umbringen.“

Parwin legte damals, als die kommunistische Partei Afghanistans an der Macht war, nicht nur den Schleier ab, sondern ließ sich – wie andere Frauen aus der Mittelschicht – auch die Haare kurz schneiden, trug Röcke, die kurz unterhalb des Knies endeten.
In den 1960/70/80er Jahren nahm die Zahl der Frauen, die gebildet waren und in öffentlichen Institutionen arbeiteten, ständig zu.
Das änderte sich genau zu dem Zeitpunkt, als der Westen begann, die Islamisten – wie z.B. den damals noch jungen Studenten Gulbuddin Hekmatyar – zu unterstützen. Die Islamisierung Afghanistans wurde Teil der US-amerikanischen - der westlichen - Außenpolitik. Ihr Ziel bestand darin, die Ausweitung des Einflussbereiches der Sowjetunion zu verhindern. Zunächst waren viele Intellektuelle mit der Säkularisierung - oder besser mit der Modernisierung - ihres Landes einverstanden.
Dann putschten sich im April 1978 die afghanischen Kommunisten an die Macht. Als sie jedoch im Dezember 1979 die Russen „zu Hilfe“ riefen, war das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Der Widerstand gegen die politischen, sozialen, gesellschaftlichen und ökonomischen Umwälzungen, die von oben herab angeordnet wurden – wie z.B. das Verschleierungsverbot - erfasste selbst die gebildete Schicht Afghanistans. Der Erfolg war, dass sich auch die fortschrittlichen Kreise auf ihre afghanische Tradition besannen und den Ganzkörperschleier - die Tschadari - zum Widerstandssymbol erhoben. Ein Mädchen aus meinem Film Tschadari & Buz Kaschi sagt 1988 dazu:

„Nach dem Abitur ging ich zur Uni. Nach 3 Monaten verließ ich die Fakultät. Wegen unserer Sitten und Gebräuche wollte ich den Schleier tragen und zu Hause bleiben.“

Diese sozialistischen Umgestaltungen riefen tiefe soziale Erschütterungen hervor, die das Leben der Familien unmittelbar beeinflussten: Frauen und Kinder zogen millionenfach zusammen mit ihren Männern - oft als ganze Dorfgemeinschaften oder Stammesverbände – ins Exil nach Pakistan oder in den Iran. Dort lebten sie eingepfercht in Flüchtlingslagern und waren dem fundamentalistischen Gedankengut ihrer Männer viel stärker ausgeliefert als in ihrem Heimatland Afghanistan.
Im Exil, in Pakistan, wurden aus den ehemals in Afghanistan agierenden islamistischen Sekten Parteien, die vom Westen finanzielle Unterstützung erhielten. Zunächst war dies nur Geld, später waren es dann auch modernste Waffen und Kommunikationsmittel. Diese islamistischen Parteien wurden jetzt von ihren Verbündeten im Westen „Widerstandsparteien“ genannt, die Mudschaheddin, die Glaubenskämpfer, wurden nun zu „Freiheitskämpfern“.
Ich selbst wohnte damals von 1985 – 1989 mehrere Male im Haus des Führers der fundamentalistischen Partei „Hisb-is-Islami“ und konnte miterleben, welche Wirkung die immense ökonomische Unterstützung auf die afghanische Gesellschaft hatte. Als ich 1985 das erste Mal Hekmatyar interviewte, lebte er wie alle anderen Afghanen bescheiden in einer Wohnung in Peshawar, im Norden Pakistans. Der Raum war vollkommen leer, es gab weder Stühle noch Tische oder Schränke, lediglich auf dem Boden lagen einige typisch afghanische Teppiche. Wir saßen uns im Schneidersitz gegenüber und er beantwortete mir geduldig meine Fragen. Als ich das nächste Mal kam, lebte er schon mit seiner Familie in einer großen Villa, gut bewacht von einigen Parteimitgliedern. Es gab moderne Telefone, Funkgeräte und Fernsehen. Im darauf folgenden Jahr staunte ich nicht schlecht: Nicht nur sein großes Haus wurde bewacht, sondern die ganze Straße war gesperrt und gesichert von schwer bewaffneten jungen Männern. Diesmal musste ich lange auf Hekmatyar warten. War er doch zu einem der wichtigsten Verbündeten des Westens geworden. Er kam in einem gepanzerten Wagen mit abgedunkelten Scheiben. Seine Leibgarde sprang heraus, riss die Türen auf – aber er blieb im Auto sitzen. Als ich nach einer gewissen Zeit fragte, warum er nicht aussteige, antwortete man mir: “She should cover her head“ (sie soll ihren Kopf bedecken), damit war ich gemeint. Mir war das Tuch vom Kopf gerutscht. So bedeckte ich brav mein Haar - und er war zufrieden, stieg aus, setzte sich fotogen zwischen blühende Sonnenblumen – und wir konnten mit den Filmaufnahmen beginnen.
Schon damals erklärte er mir, dass Musik hören oder selber musizieren eine Sache des Teufels sei. Als Begründung führte er an, sie – die Musik – lenke den Menschen vom Wesentlichen – von der Suche nach Gott – ab. In Pakistan hatte ich schon 1987 eine Versammlung filmen können, auf der Hekmatyar zu seinen Gefolgsleuten sprach. Damals schrie er seinen Hass auf den Osten und den Westen seinen armen Gefolgsleuten ins Gesicht, dass die umliegenden Berge nur so widerhallten: Zitat:

„Unser freiheitliebendes und islamisches Volk hat im Laufe seiner Geschichte nie Sklaverei und Demütigung akzeptiert. Nie haben wir Fremde in unserem Land ertragen. Krieg bis zur Freiheit. Frieden erst nach dem Sieg. Wir werden nur mit einer islamischen Regierung in einem freien unabhängigen Afghanistan zufrieden sein. Tod den Hochmütigen in Ost und West!“

Bis 1989 war die Weltöffentlichkeit froh, dass die Mudschaheddin, die sogenannten „Freiheitskämpfer“ wie Hekmatyar, Sayaf oder Rabbani die sowjetische Armee zum Rückzug zwangen. Das Aufkommen des Fundamentalismus hatte man billigend in Kauf genommen, um den Erzfeind, die Sowjetunion, so zu schwächen, dass sie kurze Zeit später, 1990, zusammenbrach.

Mit dem Sieg des Kapitalismus über den Kommunismus wurden aber auch die Kräfte in Afghanistan besiegt, die zur Erneuerung des politischen Regimes und zur Befreiung der Frau aufgerufen hatten. 1992 übernahmen die Mudschaheddin die Macht in Afghanistan. Dazu ein Zitat aus meinem Film „Die Frauen von Kabul – Sterne am verbrannten Himmel“, 2003:

„ Als die Mudschaheddin die Russen in Afghanistan besiegt hatten und selbst an die Macht kamen, begann für mich und viele Afghanen eine sehr hoffnungsvolle Zeit. Leider wurden unsere Hoffnungen von den Führern der Mudschaheddin nicht erfüllt.“

In Afghanistan wurden die Frauen – gleich nach dem Rückzug der Sowjetunion und der Macht- übernahme durch die Mudschaheddin - strengen islamischen Regeln unterworfen. Einer der ersten Amtshandlungen der neuen Regierung war es, die frauenfreundliche Verfassung ihrer kommunistischen Vorgänger außer Kraft zu setzen, die Geschlechtertrennung am Arbeitsplatz und in den Schulen wieder einzuführen und die islamische Kleiderordnung vorzuschreiben, nach der eine Frau nur mit der Tschadari – dem Ganzkörperschleier – bekleidet und in männlicher Begleitung das Haus verlassen darf. Der neue Präsident Rabbani erließ sogleich eine FATWA zur Frauenfrage. Diese Fatwa (– eine verbindliche Antwort auf eine an ein geistliches Gremium gestellte Frage zur Auslegung islamischen Rechts –) befand: - Zitat –

„Bildung von Frauen ist die Quelle der Verführung und Verworfenheit. Für eine Frau besteht keine Notwendigkeit, das Haus zu verlassen. …“

Die massive westliche finanzielle Unterstützung der reaktionären islamistischen Kräfte hatte so nicht nur zum Zusammenbruch der Sowjetunion geführt sondern hatte auch das fortschrittliche Denken und die Emanzipation der Frau um Jahrzehnte zurück geworfen.
Nach dem Rückzug der Sowjets 1989 verloren Amerika und der Westen sehr schnell das Interesse an dem Land am Hindukusch. Es entstand ein Vakuum, in dem die Führer der ehemaligen sogenannten Widerstandsparteien um die Macht kämpften. In einem fünfjährigen Bruderkrieg konnte keiner von ihnen den anderen besiegen. Es herrschten Willkür, Kriminalität und Zerstörung. Dieser instabile Zustand rief 1996 die Taliban auf den Plan, die den verzweifelten Menschen versprachen, für Ordnung und Sicherheit zu sorgen.
Wie Sie wissen, drehten die Taliban das Rad der Entwicklung zurück, trieben die Frauenverachtung auf die Spitze und führten in ihrem neu gegründeten "Islamischen Emirat Afghanistan" eine extrem patriarchale Geschlechterpolitik ein: Frauen wurde jede Berufsausübung verboten, Mädchenschulen wurden geschlossen oder existierten nur heimlich im Untergrund. Im Fußballstadion von Kabul fanden öffentliche Steinigungen statt, an denen die Bevölkerung teilnehmen musste. Eine Sittenpolizei mit schwarzen Turbanen sorgte mit Schlagstöcken auf den Straßen für die Befolgung einer radikalen Kleiderordnung für Frauen: Dazu ein Zitat aus meinem Film Die Frauen von Kabul, 2003:

„Ich war im Stadtviertel Wazir Akbar Khan unterwegs, da sah ich eine Frau, die Ihr Kind auf dem Arm trug. Ein bisschen von ihrer Hand schaute unter der Tschadari hervor und etwas Haut konnte gesehen werden. Man hat sie so sehr geschlagen! Zuerst fiel ihr Kind, dann stürzte auch sie zu Boden. Auch dem Kind gegenüber kannten sie keine Gnade.“

Nach dem der Westen Jahrzehnte lang die islamistischen Kräfte als Widerstandskämpfer bezeichnet und sie mit enormen finanziellen Mitteln aufgerüstet hatte, um den sozialistischen Einfluss und deren emanzipatorische Ideen zu bekämpfen, bezeichnete er sie nun – seit dem September 2001, als die Zwillingstürme in New York zusammenkrachten - als Terroristen und riefen zum Kampf gegen ihre ehemaligen Verbündeten auf.
Die Islamisten aber hatten in diesen Jahren ihren Rückhalt in der Bevölkerung und ihre Kampfeslust enorm stärken können – allen voran Bin Laden, ein guter Freund und Kampfgefährte von Gulboddin Hekmatyar. Bis heute bemühen sich die islamischen Fundamentalisten, alles Westliche zu bekämpfen und sind zu einer ernst zu nehmenden Gefahr unserer westlichen Lebensweise, besonders für uns Frauen, geworden.

Ich selbst arbeite in Afghanistan seit 1985 und habe dort bis heute 9 Dokumentarfilme über die Lebens- und Denkweise der Menschen gedreht. Meine Filmarbeit brachte mich mit den unterschiedlichsten Frauen zusammen, mit gebildeten und mit Analphabetinnen, mit Flüchtlingsfrauen und daheim gebliebenen, mit denen, die auf dem Lande leben und den Städterinnen – deswegen ist es schwer von der afghanischen Frau zu sprechen. Die unterschiedlichen Möglichkeiten und Begrenzungen bestimmen ihr Leben. Ebenso unterschiedlich ist die Einschätzung, ob sich viel, wenig oder gar nichts für die Frauen seit dem Sturz der Taliban verbessert hat.
Misst man das Leben in Afghanistan mit unseren Maßstäben, ist die Lage weiterhin katastrophal. Einheimische Afghanen vergleichen ihr Leben allerdings mit den Zuständen vor und vor allem während der Talibanzeit und dem gegenüber hat sich einiges – vielleicht sogar vieles - zum Positiven entwickelt. Auch wenn nach unseren Maßstäben die Veränderungen seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 nur bescheiden sind – so sind sie für die Frauen doch enorm wichtig: Heute haben sie wieder das Recht, alleine ihre Häuser zu verlassen, zu arbeiten, zur Schule oder zur Universität zu gehen, einen Beruf zu erlernen – ja sogar ihr Land bei den Olympischen Spielen zu vertreten. Und bei den Parlamentswahlen im November 2005 wurden ihnen per Gesetz 25 Prozent der Parlamentssitze garantiert. Heute sitzen sogar mehr als diese 25% im Parlament. Das könnte Gutes für die Zukunft verheißen – wäre da nicht die Realität.

Die Afghaninnen wissen, dass es noch ein weiter Weg ist, ihre in der neuen Verfassung formulierten Rechte in eine gelebte Realität zu überführen. Immer wieder werde ich gefragt:

„Warum legen die Frauen in Afghanistan denn den Schleier nicht ab – jetzt, nach so vielen Jahren internationaler Hilfe?“

Darauf möchte ich Parwin, meine langjährige Freundin und Gründungsmitglied des NAZO-Ausbildungszentrums in Afghanistan, antworten lassen: Zitat:

„Die Frauen trauen sich nicht, die Tschadari abzulegen – wer weiß, vielleicht kommen die Taliban ja zurück. Besonders die jungen Frauen haben immer noch Angst. Sie denken: Wenn ich den Schleier hochschlage, könnte ein Talib kommen und mir Säure ins Gesicht spritzen."

Schaima, eine andere Mitarbeiterin des Ausbildungszentrums, sagt: Zitat:

„Aus Angst vor Misshandlung, Vergewaltigung, Verschleppung - aber auch aus traditionellen Gründen - tragen die Frauen immer noch die Tschadari. Selbst in Kabul nahezu 80 Prozent.“

Parwin, Schaima und viele andere Frauen kämpfen für die Gleichberechtigung der Frau. Aber um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen, verhalten sie sich sehr vorsichtig. Jeder Schritt in Richtung Selbstbestimmung wird sorgfältig überlegt.
Die Organisationen Human Rights Watch und Unicef berichten, dass sexuelle Gewalt gegen Frauen, Zwangsheirat und Prostitution, ja selbst Kidnapping und Menschenhandel, wieder zugenommen haben. Die Frauengefängnisse sind überfüllt. Wegen kleinster "sittlicher" Vergehen, wie Flucht vor Zwangsheirat oder aus Gewaltbeziehungen, werden Frauen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, während Männer oft straffrei ausgehen. Mina, eine Staatsanwältin, die Sie morgen in meinem neuen Film „von König Amanullah zu Facebook“, kennenlernen können, schildert, wie unwissend zum Teil sogar Richter und Staatsanwälte sind, die die Gesetze, nach denen sie Recht sprechen sollen, nicht kennen, bzw. nicht kennen wollen: Zitat

„Noch immer gibt es an unseren Gerichten zweierlei Maßstäbe. Wir wissen, Ehebruch ist eine Straftat. Vor dem Gesetz steht darauf für Mann und Frau die gleiche Strafe. Die Männer haben ja das Geld und bezahlen Schmiergeld oder sie kennen bestimmte Leute, die sich für sie einsetzen. Da die Gesellschaft von Männern geführt wird, werden sie – egal aus welchen Gründen – frei gelassen, oder man sagt, die Untersuchungshaft ist für ihn ausreichend – aber die Frau sitzt 5 Jahre im Gefängnis."

Als 2004 die neue Verfassung in Kraft trat, wurde sie in unseren Medien als „die fortschrittlichste Verfassung eines islamischen Landes“ gefeiert. Steht doch im Artikel 22: Jegliche Form von Bevormundung oder Bevorzugung unter den Bürgern Afghanistans ist verboten. Die Bürger Afghanistans, sowohl Frauen als auch Männer, haben vor dem Gesetz gleiche Rechte und Pflichten. (Übersetzung des Max Planck Institutes)
Vorausgegangen war eine heftige Auseinandersetzung, ob es sich um eine „Republik Afghanistan“ oder eine „Islamische Republik Afghanistan“ handeln soll. Die konservativen Kräfte konnten sich durchsetzen und so wurde Afghanistan eine Islamische Republik, die im Artikel 3 des Grundgesetzes festlegt, dass – Zitat – „in der islamischen Republik Afghanistan kein Gesetz im Widerspruch zu den Grundlagen des Islams“ stehen darf. Anders ausgedrückt: Das religiöse Scharia-Recht steht in Streitfällen über dem staatlichen Recht. (Das nennt man Schariavorbehalt) Und weil es nach der Scharia keine Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen geben kann, kann man sich fragen, welchen Wert der in der Verfassung verankerte Gleichberechtigungsartikel überhaupt hat.
In der Praxis sieht das so aus: Über familienrechtliche Streitfälle - also alles, was Frauen betrifft - entscheidet in Kabul der Oberste Gerichtshof, der seit Jahren mit religiös-konservativen Kräften besetzt ist, die kein Interesse an Frauenrechten haben. Zu sehr stehen solche Freiheiten im Widerspruch zu allem, was in Afghanistan bisher gelebt wurde. Dazu nochmals Mina, die Staatsanwältin:

„Auch heute werden bei uns alle Angelegenheiten – selbst Morde – nicht von den staatlichen Autoritäten geregelt. Sie genießen keinerlei Vertrauen. Man wendet sich immer noch an die lokalen Machthaber. Dabei haben Frauen weiterhin das Nachsehen. Z.B. werden sie als Sühneopfer - als Wiedergutmachung - bei einem Mordfall an die verfeindete Familie abgegeben. - So löst man bei uns Mordfälle."

Nach dem Sturz der Taliban im November 2001 gab es bei uns geradezu einen Medienrummel um die afghanischen Frauen. Damals wurde ihr Los thematisiert mit Slogans wie: „Runter mit den Burkas! Her mit Bildung und Freiheit!“ Vorträge, Bücher, Konferenzen etc. schossen wie Pilze aus dem Boden. Aber schon bald danach verloren die Medien das Interesse an den Frauen.
Im April 2009 flammte es kurz wieder auf, als der afghanische Präsident Hamid Karzai ein Familiengesetz unterzeichnete, dass die in der neuen Verfassung von 2004 zugesicherten Frauenrechte mit einem Federstrich beseitigen wollte: Die schiitischen Frauen – immerhin 10% der Bevölkerung - sollten nur in dringenden Notfällen das Haus ohne die Zustimmung ihres Ehemannes verlassen dürfen. Außerdem wurden sie gesetzlich verpflichtet, mindestens alle 4 Tage ihrem Ehemann sexuell gefügig zu sein.
Der Westen war empört. Und in Kabul gingen ungefähr 200 tapfere afghanische Menschenrechtlerinnen auf die Straße, um gegen den Verfassungsbruch des neuen Ehegesetzes zu protestieren – aber etwa 1000 Menschen (Frauen und Männer) verteidigten das neue Ehegesetz mit dem Slogan „Tod den Sklaven der Christen“. Schließlich musste Karzai seine Unterschrift wieder zurückziehen. Immerhin ein Fortschritt! Ganz richtig setzte er auf die Vergesslichkeit des Westens und verabschiedete kurz darauf das Gesetz in leicht veränderter Form: Nun kann der Ehemann seiner Ehefrau den Unterhalt verweigern, wenn Sie ihren „ehelichen Pflichten“ nicht nachkommt. Mit nur minimalen Veränderungen konnte Karzai die Forderungen des Westens umgehen.
2011 unterzeichnete Präsident Hamid Karzai ein Dekret, das Gewalt gegenüber Frauen unter Strafe stellen soll. Allerdings ist es noch immer nicht verabschiedet und wurde gerade im März dieses Jahres im Parlament heiß diskutiert. Seine Gegner kritisieren, dass es der Scharia, der islamischen Rechtsprechung, widerspreche. Hier ganz knapp die drei wichtigsten Forderungen dieses Gesetzes und die Kritikpunkte:
Forderung: Gewalt gegenüber Frauen, auch in der Ehe, ist strafbar.
Gegenargument der Kritiker: Da Beschimpfungen und Schläge gegenüber Frauen in Afghanistan normal sind, hätte das Gesetz zur Folge, dass zu viele Familien auseinanderbrechen würden.
Forderung: Das Mindestalter für die Heirat wird auf 16 Jahre festgelegt.
Gegenargument der Kritiker: Laut Islam bestimmt der Beginn der Pubertät, wann ein Mädchen heiratsfähig ist. Und die Scharia schreibt vor, dass der Vater des Mädchens über ihre Heirat bestimmen kann.
Forderung: Aufrechterhaltung der Arbeitserlaubnis für Frauen.
Gegenargument der Kritiker: Der Islam sagt, dass eine Frau ohne die Erlaubnis ihres Mann nicht außerhalb des Hauses arbeiten darf. Alle Bedürfnisse muss der Mann befriedigen. Da das so ist, habe der Mann ja wohl das Recht, von seiner Frau zu erwarten, dass sie ihn um Erlaubnis bittet, wenn sie das Haus verlassen möchte.
Alle drei Argumente der Kritiker erinnern fatal an die Zeit der Taliban, die heute - 2013 - wieder wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Frauen schwebt.
Aber der Streit um das Gesetz ist verlorene Liebesmühe. Egal ob es nun in Kraft tritt oder nicht, eine grundlegende Änderung der Situation der Frau wird es so schnell nicht geben. Das kann uns natürlich verärgern oder wütend machen, sollte uns aber vielleicht eher nachdenklich stimmen: Lebensgewohnheiten, Sitten und Gebräuche lassen sich nicht so leicht und schnell ändern wie eine Verfassung. Jahrhundertealte Traditionen, in denen sich vorislamische mit islamischen Vorschriften vermischen, sind in der Bevölkerung fest verankert, und die Angst, dass die alten durch neue – diesmal durch westliche - Werte ersetzt werden sollen, ist groß. Vor allem die streng Gläubigen bestehen auf der traditionellen Rolle der Frau. Die Frau verkörpert die Ehre des Mannes, der Familie, ja des ganzen Volkes. Sie bringt die Kinder zur Welt, erzieht sie, kümmert sich um die Großfamilie und wird so zur Repräsentantin der „echten“ afghanisch-islamischen Kultur.
Eine moderne Frau, die außerhalb des Hauses zur Schule geht, einen Beruf erlernt und ihn dann auch ausübt, kann sich nicht 100% um die Familie kümmern und stellt damit gerade diesen Wert in Frage.

Der Kampf um die Gleichberechtigung ist ein langer Weg, verbunden mit vielen schmerzlichen Rückschritten – und unsere, die deutsche Regierung, sollte nicht nur über den Truppenabzug der NATO-Einheiten und der Bundeswehr berichten, sondern sich auch über ihre Verantwortung den Menschenrechten gegenüber verantwortlich zeigen. Zu diesen zählen auch die afghanischen Frauenrechte – aber davon hört man schon seit Jahren nichts mehr.

Die afghanischen Frauen und die fortschrittlichen Kräfte des Landes sind in einen Zwiespalt geraten: Als sie sich emanzipieren wollten (in den 1960er und 70er Jahren), wurden sie durch die Interessen des Westens – nämlich den Kommunismus zu zerschlagen – daran gehindert und in eine islamische Vergangenheit zurück geworfen.
Wir alle, die afghanischen Frauen wie wir westlichen – befinden uns in einem Dilemma: Auf der einen Seite der säkulare, wissenschaftliche, aber auch kolonialistische Westen – auf der anderen Seite der strenge Islam, der zum Widerstand gegen den Westen aufgerufen hat und alle emanzipatorischen Bestrebungen negiert.
Dieses geistige, gesellschaftliche und politische Chaos hat sich auch auf „unseren“ Westen ausgebreitet. Die kopftuchtragenden Frauen aus islamischen Ländern jagen uns Angst und Schrecken ein. In wenigen Ländern, wie z.B. in Frankreich, wurde die islamische Kleidung gesetzlich verboten und ihre Trägerinnen dürfen keine Schulen, Universitäten oder öffentliche Institutionen betreten.
Heute spüre ich – ähnlich wie 1989, als die Sowjetunion Afghanistan verließ – wieder eine ganz ähnliche Einstellung der Menschen hier, die ich so zusammenfassen möchte:

„Warum sollen wir uns um ein Land kümmern, das so weit weg ist. Sollen die Afghanen und Afghaninnen es doch selber tun. Sie sind so anders – in Religion, Lebensweise, Aussehen und Denkstrukturen. Was ihnen passiert – uns hier in Deutschland kann so etwas nicht passieren.“

Ich allerdings glaube, dass uns dieses Problem schon sehr nahe gekommen ist. Wir können es nicht einfach mehr negieren. Die Welt ist ein globales Dorf geworden. Die Kopftuch oder Burka tragenden Frauen sind schon unter uns. Wenn wir nicht wollen, dass unsere Töchter und Enkelinnen nur noch von der Freiheit träumen können, die wir heute hier genießen, - dann sollten wir uns mit der Entstehung des fundamentalistischen Islams auseinander setzen - aber uns auch fragen: Was können wir tun?

So kommen wir zu einem Grund für mein Engagement in Afghanistan: Im Januar 2002 – gleich nach dem Anschlag auf die Zwillingstürme in New York – flog ich nach Afghanistan, um einen neuen Film zu drehen. Ich suchte in der völlig zerstörten Stadt Kabul nach meinen Freundinnen. Ich fand sie tatsächlich und gemeinsam gründeten wir das NAZO-Ausbildungszentrum.
In diesem Jahr hat es 5 Standorte: In Kart-e-nau, einem Vorort von Kabul, befindet sich das Stammhaus. Dort werden jährlich 30 Schneiderinnen ausgebildet und 20 Kinder betreut. Dort gibt es auch das NAZO-Geschäft, in dem die NAZO-Produkte verkauft werden. In den Dörfern Scheweki und Kamari gibt es ebenfalls je eine Schneiderlehrwerkstatt, aber auch – wie in den Dörfern Nejrab und Sorbi – eine Ausbildung für Landfrauen. Sie werden in der Viehhaltung geschult und lernen von einem Veterinär, wie sie Kühe und Hühner versorgen und aufziehen können. Darüber hinaus lernen sie, Milch- und Eierprodukte zu vermarkten.
In Achmad Schah Baba Mina – vor den Toren Kabuls – wurde 2011 ein neues großes NAZO-Ausbildungszentrum fertiggestellt, in dem 80 Schülerinnen in drei Berufen ausbildet werden: Schneiderei, Schmuckdesign und Lederverarbeitung. Darüber hinaus werden die Frauen noch kaufmännisch geschult, damit sie später selbständig ein Geschäft oder eine Werkstatt leiten können. Außerdem gibt es einen Kindergarten, in dem momentan 44 Kinder betreut werden.
In allen Lehrwerkstätten gibt es täglich ein warmes Mittagessen.
Neben der eigentlichen handwerklichen Lehre sind Aufklärungskurse obligatorisch, wie z.B. über Frauen- und Menschenrechte, Geburtenkontrolle, Familienplanung und Rechtsberatung. Analphabetinnen können in einem Kurs lesen und schreiben erlernen.

Ein Geschäft zu eröffnen – das mag für Sie nichts Ungewöhnliches sein – aber für afghanische Frauen ist es eine besondere Leistung. Marina, die Geschäftsführerin, die den Verkauf der NAZO-Produkte betreut, sagt dazu:

„Wir sind in eine Raubtierherde geraten. Keiner nimmt auf uns Rücksicht, niemand gibt uns Ratschläge - hier kämpft jeder für sich.“

Damit trifft sie den Nagel auf den Kopf: Die Frau als Handwerkerin oder Arbeiterin ist akzeptiert, solange sie ihr Können nicht als Beruf in der Öffentlichkeit ausgeübt. Die Frau als Geschäftsfrau ist noch nicht etabliert – das braucht viel mehr Zeit.
Dazu kommen noch andere Schwierigkeiten: Die Männer arbeiten von früh bis spät in ihren Geschäften, oft schlafen sie sogar dort. Dieses ist für Frauen, die zu Hause noch die gesamte Hausarbeit, einschließlich der Versorgung der Kinder und Alten, zu erledigen haben, nicht möglich. Vor allem aber müssen sie auf das männliche Ehr-Verständnis Rücksicht nehmen. Dazu nochmals ein Zitat von Momtaz, die im NAZO-Zentrum gelernt hat und nun außerhalb des Zentrums in der Maßschneiderei arbeitet:

„Mein Mann erlaubt mir draußen zu arbeiten – aber er sagt, dass es doch zu weit gehe, wenn ich vor ihm das Haus verlasse und erst nach ihm wieder nach Hause komme.“

Frauen sind in der afghanischen Öffentlichkeit nicht vorgesehen, nicht auf den Straßen, nicht in den vornehmen Restaurants oder einfachen Kebabstuben, nicht in den Behörden oder Geschäften. Alles Öffentliche, Offene, Luftige ist männlich - lauter männliche Orte voller Turbulenz und Lebendigkeit. Die Frauen müssen um jeden Schritt kämpfen. Für alles und jedes brauchen sie eine Erlaubnis, die ihnen vom Vater, Ehemann, Bruder, Sohn oder von einem nahen Verwandten erteilt wird - oder auch nicht. Da ist es egal ob eine Frau Direktorin eines Mädchengymnasiums ist, in dem 10.000 (!) Schülerinnen unterrichtet werden, oder ob sie als Mutter acht und mehr Kinder groß zieht, oder noch ein junges Mädchen ist - immer muss sie ihren Familienvorstand um Erlaubnis bitten. Selbst die Ministerinnen sind dieser Sitte unterworfen - auch ihre Auslandsreisen müssen sie sich vom Familienvorstand genehmigen lassen!
Die Ausbildung zur Schneiderin ist jederman verständlich – oft werde ich jedoch gefragt: Wieso bildet ihr Schmuckdesignerinnen aus? Das ist doch ein Luxusberuf! Hierzu muss man wissen, dass Schmuck in Afghanistan eine ganz andere Bedeutung hat als bei uns. Der Besitz von Schmuck ist eben nicht nur Luxus, sondern kann mit dem Abschluss einer Lebensversicherung verglichen werden. Schmuck wird von Frauen nicht nur geliebt und geschätzt – er ist in Afghanistan auch heute noch der einzige Besitz, der den Frauen anstandslos zugestanden wird. Er fungiert sozusagen als Absicherung gegen die Unberechenbarkeit des Lebens, wie z.B. wirtschaftlicher Ruin, Scheidung, Alter usw.
Mit der Hochzeit verlässt die Frau ihre Familie und wird Mitglied einer neuen Familie, der ihres Ehemannes. Ihre Ursprungsfamilie hat nun keinerlei Verpflichtung mehr ihr gegenüber, von ihr kann sie nichts mehr erwarten – keine Fürsorge, keine Unterstützung, keine Erbschaft. Damit sie nicht "unwürdig" ins Haus ihres Ehemannes übersiedelt, wird vor der Eheschließung über diese "Würde" verhandelt. Der zukünftige Ehemann muss nicht nur die Hochzeit bezahlen, sondern seiner Braut auch Geschenke machen – kostbare Geschenke, die vorher zwischen beiden Familien ausgehandelt werden. Ein Großteil dieser Brautgeschenke besteht aus Schmuck. Er ist ihr Besitz, über den sie allein verfügen kann. In Notzeiten hat er manch einer Familie das Überleben ermöglicht.

Seit dem Sturz der Taliban strömen Einflüsse aus aller Herren Länder in das mehr als 30 Jahre fast hermetisch abgeschlossene Afghanistan. Mit der Öffnung des Landes haben Medien, allen voran das Fernsehen, Einzug gehalten. Auch wenn der so genannte kleine Mann in seiner Wohnung (noch) keinen Fernsehapparat hat, so hat er doch die Möglichkeit, in einer Teestube gemeinsam mit anderen Besuchern die Filme – vor allem indische Schmachtfetzen und türkische Musikvideos, in denen von romantischer Liebe und gelebter Freiheit erzählt wird – zu sehen.
Da sein tägliches Leben nicht so ist, wie es im Fernsehen gezeigt wird, wächst die Frustration und oft auch die häusliche Gewalt, unter der dann die Frauen und Kinder besonders zu leiden haben. Wollen Frauen die ihnen neu zugestandenen Rechte - z.B. auf Ausbildung - in Anspruch nehmen, kann es vorkommen, dass ihr Familienoberhaupt es ihnen verbietet. Beugen sie sich nicht diesem Verbot, können harte Auseinandersetzungen folgen, die nicht selten mit ihrem Tod enden – entweder weil die Frauen und Mädchen sich selbst umbringen (z.B. durch Selbstverbrennungen) oder weil sie „verunglücken“, das heißt von einem männlichen Familienmitglied getötet werden, um die „Familienehre“ wieder herzustellen.

Das Wiedererstarken der Fundamentalisten (Taliban, Mudjaheddin, AI Qaida) und die sich verschlechternde Sicherheitslage in Afghanistan wirken sich natürlich auch auf das Leben der Frauen aus. Schon im April 2006 baten uns die NAZO-Frauen, den Afghanistanteil unserer Webseite mit einem Passwort und Username zu versehen.

Oft werden die Rechte, die die neue afghanische Verfassung den Frauen zubilligt, mit Füßen getreten. Nicht nur die Analphabetinnen, auch die gebildeten Frauen, die Lehrerinnen, die Ärztinnen, Rechtsanwältinnen etc. brauchen unseren Zuspruch und die Gewissheit, dass wir sie nicht im Stich lassen. Ein Volk besteht nicht nur aus „Frontfrauen", die Politikerinnen, Journalistinnen oder Pilotinnen werden. Die überwältigende Mehrheit muss in ihrem Umfeld die kleinen Schritte der Emanzipation durchsetzen, was sehr schwierig ist und oft zu großen Problemen führt, wie die vielen Selbstverbrennungen der Frauen zeigen.

Diesmal scheint die Lage sich aber doch von den vorangegangenen Versuchen, das Land zu modernisieren, zu unterscheiden: Afghanistan hat sich der Welt gegenüber so weit geöffnet – mit Radio, Fernsehen, Internet und Handys – dass es keine geschlossene Gesellschaft mehr sein kann. Das verpflichtet die Regierung, einige Dinge einzuhalten, die im Rest der Welt üblich sind, wie z.B. das Recht auf Bildung für die ganze Bevölkerung.

In unseren Medien wird oft nur die Gewalt der Männer thematisiert. Der Kampf der Frauen gegen die überkommenen patriarchalen Strukturen ihrer Gesellschaft wird - wieder einmal - als zweitrangig eingestuft, obwohl seit eh und je jede Reformbewegung in Afghanistan an der Frauenfrage scheiterte. Nur wenn wir die Frauen stärken, wird sich in diesem Land eine friedliche Zivilgesellschaft bilden können.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich auf Ihre Fragen. Bitte nehmen Sie sich einen Flyer mit nach Hause – dort finden Sie auch unsere Internet-Adresse. Auf der Seite www.nazo-support.org können Sie vielfältige Informationen über unsere Arbeit in Afghanistan nachlesen.