Nazo

Ausbildung zur Schmuckdesignerein

Rahima fertigt die Grundform eines Silberarmreifs an.

Sie sagt:

„Ich habe im NAZO-Zentrum gelernt, um Juweliermeisterin zu werden. Der Meister Saber hat mich zu seiner Assistin gemacht. Darauf bin ich stolz – und ich gebe mir noch mehr Mühe. Ich will ihn auf gar keinen Fall enttäuschen. Was ich mir für die Zukunft wünsche? Wir sollten eine Schmuckwerkstatt gründen – dann könnten wir alle weiter zusammen arbeiten. Das ist ja ein Männerberuf – und dort Fuß zu fassen ist sehr schwer. Aber wir Frauen – zusammen – ja, so können wir es schaffen.“

 

Rahima ist heute Ausbilderin für die Grundkenntnisse.

Schmuckdesign

Dieser Beruf ist in der afghanischen Gesellschaft hoch angesehen und garantiert ökonomische Selbständigkeit. Er ist sehr anspruchsvoll und erfordert bestimmte Begabungen. Der Beruf Schmuckdesignerin besteht traditionell aus zwei Handwerksberufen: Gold/Silberschmiedekunst und Steinschleiferei. Im NAZO-Zentrum unterrichten ein Silberschmied und ein Steinschleifer. Hier lernen die Schülerinnen alles Wichtige rund um die Edelsteine Afghanistans, deren Verarbeitung zu Schmuck, aber auch zu Gürteln, Taschen, Wandbehängen etc. Unsere Schülerinnen sind die ersten Schmuckdesignerinnen in Afghanistan. Sie kombinieren ihren Silberschmuck mit leuchtenden Steinen: tiefblauem afghanischen Lapiz Lazuli; blaugrünem iranischen Türkis; braunrotem Karneol, flaschengrünem Serpentin, ebenholzschwarzem Onyx etc. Von Frauen aus Nordafghanistan haben sie gelernt, Perlenketten herzustellen. Bis heute wurden 45 Schmuckdesignerinnen ausgebildet. Besuchen Sie die Webseite: www.afghan-design.com

Die Silberschmiedinnen

Die Abteilung Stein- und Perlenketten

Steinschleiferei

In praller Sonne erhält der Silberschmuck den schönsten Glanz.

Der Goldschmied Saber kommt einmal pro Woche und unterrichtet die Schülerinnen, die schon die Grundkenntnisse beherrschen.

Er sagt:

„Seit ca. 20 Jahren arbeite ich als Juweliermeister. Mit den Schülerinnen hier bin ich sehr zufrieden. Natürlich sind sie unterschiedlich talentiert. Ich hoffe, dass sie bis zum Ende der Ausbildung ungefähr 50% von dem Bereich Silber- und Steinverarbeitung gelernt haben. Der Beruf Schmuckdesign ist ja ein sehr anspruchsvoller Beruf. Aber dazu kann ich sagen, dass ich keinen Juweliermeister kenne, der 100% beherrscht – ich selbst würde mich bei 70% einstufen. Ein Meister lernt ein Leben lang. Viel Arbeit und Übung – so kann man sein Wissen erweitern.“

Hintergrund

Traditionell hat ein Meister 1 bis 3 Gesellen, fast immer sind es seine eigenen Kinder oder deren Cousins. Ganz selten kommt es vor, dass er einen Fremden als Lehrling annimmt. Diese Schüler arbeiten bis zu 10 Jahre beim Meister und übernehmen damit seine Kunstfertigkeit. In der Regel unterrichtet er seine Schüler nicht, vor allem, wenn es nicht seine eigenen Kinder sind. Der Schüler muss sich das Wissen und die Erfahrungen von seinem Meister „abschauen“.
Der Meister hat eine Abneigung, dem Schüler sein Können zu vermitteln. Sein Neid gegenüber den Schülern hat in Afghanistan eine lange Geschichte und wird inzwischen als Gegebenheit akzeptiert. Dieser Neid geht manchmal so weit, dass der Meister gar keinen Schüler aufnimmt.
Vor diesem Hintergrund war es sehr schwer, Lehrer für die Schmuckabteilung zu verpflichten. Dazu kommt noch, dass Männer so gut wie nicht mit Frauen zusammen arbeiten – einmal, weil die Gesellschaft Männer und Frauen voneinander trennt, zum anderen empfinden es viele Männer auch heute noch „unter ihrer Würde“, mit Frauen zusammen zu arbeiten, geschweige denn, ihnen ihr Handwerk beizubringen.