Nazo

Ausbildung zur Schneiderin

Examensarbeiten

Schneiderei

Dieser Beruf umfasst Nähen, Zuschneiden, Entwerfen. Darüber hinaus lernen die Schülerinnen das vielfältige textile Kunsthandwerk Afghanistans kennen und werden angeleitet, traditionelle Kunstfertigkeiten mit modernen Techniken und Vorstellungen zu verbinden.

Dieser Beruf ist besonders nützlich für den täglichen Gebrauch in der Familie: Jedes Familienmitglied benötigt mehrmals im Jahr Kleidung, Tischdecken oder Bettwäsche usw.

Die Erfahrung zeigt, dass die Frauen sehr gerne gerade dieses Handwerk erlernen wollen, oft auch schon Grundkenntnisse mitbringen und somit relativ schnell zu ansprechenden Ergebnissen kommen.

2011 wurde damit begonnen, in einigen Dörfern Nähkurse erfolgreich durchzuführen.

 

 

Neue Ausbildungskurse 2015

In Kart-e-nau lernen momentan, (seit 21.03.105) 16 Frauen das Schneiderhandwerk. Die Schneiderinnen der Wekstatt unterrichten diese Schülerinnen.

In Achmad Schah Baba Mina wurde am 21.03.2015 ein neuer Kurs für 20 Schülerinnen eingerichtet (Ausbildungszeit: 12 Monate). Da der Andrang immer sehr groß ist, lernen in diesem Kurs momentan 32 Frauen.

In Gebiet Nejrab  werden innerhalb der nächsten 3 Jahre 75 Frauen zu Schneiderinnen ausgebildet.

Die Ausbildung wird mit einer Prüfung abgeschlossen. Hat die Teilnehmerin diese bestanden, erhält sie ihr staatlich anerkanntes Zeugnis.

Nach bestandenem Abschlussexamen kann jede Schülerin ihre Nähmaschine mit nach Hause nehmen. Sie ist ihr Eigentum und bildet die Basis für ihre Selbständigkeit.

Bis Ende 2014 wurden 495 Frauen zu Schneiderinnen ausgebildet. Jede dieser Frau lebt in einer Großfamilie, die aus mindestens 15 Personen besteht (oft weitaus mehr).
Auf all diese Menschen (ca. 7500) strahlt die Veränderung der Schülerin aus. Sie bekommt im Laufe der Ausbildung „mehr Stimme“, wie die Afghanen sagen. Sie mischt sich ein und will Einfluss nehmen auf Entscheidungen – familiärer, sozialer oder gesellschaftlicher Art .
Kurz: Über das Erlernen ihres Berufes hinaus wird ihr Selbstvertrauen geweckt und ihr Selbstbewusstsein gestärkt.

Unterricht in Kart-e-nau

Zuschneiden in Kamari

Zeugnisausgabe in Scheweki

Schaima (links) übergibt der Schülerin eine Nähmaschine, die jetzt ihr Eigentum ist. (rechts: Marina)

Schaima und Palwascha im Gespräch

Schaima fragt Palwascha: Hast Du die Schule besucht?

Palwascha: Als ich bei NAZO in Kart-e-nau die Kurse besuchte, fühlte ich, dass ich etwas lernen muss. Da habe ich dann auch lesen und schreiben gelernt – und alles andere.

Schaima: Wie hast Du Dich gefühlt, als Du hier Deine Dorfnachbarinnen unterrichtet hast?

Palwascha: Ich hatte ein sehr schönes Gefühl. Als Analphabetin habe ich ja nie daran gedacht, selber zu lehren. Aber Allah hat den Tag gebracht, an dem ich als Lehrerin gearbeitet habe. Das ist ein Gefühl von großer Freude.

Schaima: Hat eine Deiner Schülerinnen so gut gelernt wie Du selbst?

Palwascha: Ja. Etwa 5 oder 6 Mädchen sind sehr gut.

Schaima: Hast Du ihre Leistungen für die Zeugnisse benotet?

Palwascha: Ja. Ich habe die Schülerinnen in drei Stufen eingeteilt. So kann man feststellen, wer zu welcher Kategorie gehört. Wenn ich alle gleich beurteilt hätte, wäre das nicht so gut gewesen.

Schaima: Natürlich. Die Unterschiede sind ja vorhanden. Man sollte wissen, wer sich viel und wer sich weniger bemüht.