Nazo

4. Ausbildungsrunde

Berichte

Abschlussbericht, Schneiderinnen 30.12.2017

Abschlussbericht, Schneiderinnen 30.12.2017

Abschluss-Zeugnisse, 30.12.2017

Übersetzung des Abschlussberichtes des dreieinhalbjährigen Projektes „Ausbildung zur Schneiderin in Nejrab“, Provinz Kapiza, Afghanistan. Geschrieben von der Projketleiterin Madina.

Der Schneiderberuf ist sehr sinnvoll für Frauen in Afghanistan, insbesondere für Frauen, die in Dörfern leben und arm sind. Sie können die hohen Löhne für die Schneider nicht bezahlen und sind deshalb froh, selbst nähen zu können.
Aus diesem Grund lernen hier Frauen gerne diesen Beruf, um für sich selbst und für andere - oft  Familienmitglieder - die Kleidung nähen zu können.

Das Schneiderprojekt, das von ALS-Frauen von 2014 bis Ende 2017 durchgeführt wurde, war ein sehr erfolgreiches Projekt, denn die Frauen waren begierig Schneiderin zu werden und auch ihre Ehemänner oder Väter ermutigten sie und halfen ihnen diesen Beruf zu erlernen.

In der ersten Zeit standen wir in Opposition zu den Regierungsbehörden in Nejrab und es herrschte ein gewisses Misstrauen der Dorfbewohnern uns gegenüber. Aber als unsere ersten Studentinnen nach 6 Monaten Ausbildung - als der 1. ALS Schneiderkurs beendet war – nach Hause kamen, wurden ihre Familien und andere Menschen sehr glücklich und dankbar uns gegenüber, weil sie die Verwandlung eines ihrer Familienmitglieder zu einer erfahrenen Näherin nun wertschätzen konnten.

Wir sind stolz darauf, innerhalb von 3 Jahren, 70 Frauen und 30 andere Frauen* mit Hilfe eines Curriculums ausgebildet und graduiert zu haben.
Diese Schulungen beinhalteten die Ausbildung zu Schneiderinnen, die Teilnahme an Alphabetisierungs-kursen, Kursen für Gesundheitsfürsorge, Rechtsberatung und Unternehmensberatung.

Ehemalige examinierte Schülerinnen gründeten 2 selbständige Schneiderateliers in 2 verschiedenen Gegenden im Distrikt Nejrab. Sie arbeiten als Team zusammen und verbringen ihre Zeit gemeinsam, um Geld zu verdienen.

Da ich in der Stadt Kabul lebe, musste ich während der Projektlaufzeit mehrmals nach Nejrab reisen, um die Schülerinnen und ihre Arbeiten zu kontrollieren. So verbrachte ich jedes Mal 3-5 Tage in Nejrab. Ich wurde Zeugin der sehr schlechten Sicherheitslage in den Dörfern und der vielen Probleme wie Bedrohung und Raub auf unserem Weg nach Nejrab und zurück nach Kabul. Als ich kürzlich dort war, kam eines Tages spätabends die Nachricht, dass die Behörden den Distrikt an die Taliban verkauft haben. Zu dieser Zeit konnte ich nicht nach Kabul zurückfahren.
Der Krieg zwischen den Taliban und den afghanischen Streitkräften begann um Mitternacht. Die ganze Nacht konnte ich nicht schlafen, denn wenn die Taliban die afghanischen Streitkräfte besiegen, greifen sie immer als erstes die NGOs an, die von fremden Ländern unterstützt werden.
Glücklicherweise ist das afghanische Militär bis heute der Besitzer der umliegenden Orte geblieben und so konnte ich nach Kabul zurückkehren.

Während der Zeit, als das Schneiderprojekt im Distrikt Nejrab in der Provinz Kapisa durchgeführt wurde, bemerkten wir, dass wir das Vertrauen der dort lebenden Menschen gewonnen haben! Das ist eigentlich unser größter Erfolg! Sie haben uns versprochen, dass sie uns helfen werden, jede Art von Projekt durchzuführen, solange der Distrikt unter der Kontrolle der afghanischen Regierung steht.

Wir hoffen, ein Teppichwebprojekt 2018 zu beginnen zu können und wünschen von ganzem Herzen Ihre Mitarbeit.

Vielen Dank für Ihre Hilfe und Unterstützung, mit freundlichen Grüßen, Madina ­

*Anmerkung der Übersetzerin: Diese Frauen nahmen freiwillig – ohne Ausbildungshilfe an diesen Kursen teil. 

Jahresbericht 2016, Nejrab

Jahresbericht 2016, Nejrab

Übersetzung Jahresbericht 2016, geschrieben von Madina aus Nejrab

2016 war das Jahr in dem wir die 3. und 4. Periode des Schneiderei-Projektes durchführten. Zu den neuen Schülerinnen kamen noch aus den Perioden 1 und 2 zehn talentierte Studentinnen hinzu. Zusammen sind sie ein festes und sehr gutes Team.

Als Neuerung und um die Produkte zu perfektionieren, lernten die Studentinnen an den großen, elektrischen Maschinen zu nähen. Dies war wirklich eine großartige Erfahrung für sie.
Mit der Hilfe von Herrn Aalem – unser Lehrer für das Verkaufstraining – lernten unsere Studentinnen den Umgang mit den elektrischen Maschinen. Darüber hinaus brachte er ihnen bei, Kunden zu akquirieren: zum Beispiel von einigen Geschäften auf den Basaren der weit entfernten Dörfer und einigen nah zu unserem Zentrum. Mr. Aalem hilft den Studentinnen und den Studio-Frauen bei allen Problemen mit den Maschinen und beim Verkauf.

Die Leiterin unserer 15 Studio-Frauen ist eine intelligente Studentin der 3. Periode. Sie heißt Najia und war schon die Helferin der Schneiderlehrerin. Beide möchten auf dem Marktplatz ihres Dorfes einen Geschäft eröffnen.
Momentan liegt das monatliche Einkommen der einzelnen Studio-Frauen zwischen 500 – 1000 AFN ( 8 und 16 €) pro Monat. Mit dem Geschäft wollen sie ihr Einkommen erhöhen. Es wäre schön, wenn sie ein Grundkapital hätten, um gute Stoffe in Kabul kaufen zu können. Diese könnten sie zu Kleidern und Tücher verarbeiten und verkaufen.

Najia (Leiterin des Studios) und Jamila (Schneiderlehrerin) möchten darüber hinaus ihre Erfahrungen einbringen, um neue Schülerinnen zu unterrichten und Kunden zu akquirieren.

Wenn ich in Kabul bin, trägt Najia auch die Verantwortung für das Büro und die dazu gehörigen Aufgaben ( z.B. Studentinnen registrieren, Berichte schreiben, die täglichen Aufgaben verteilen, die Ausgaben notieren, Entscheidungen für das Mittagessen zu treffen etc. )
2017 möchten sie die Kurse (Alphabetisierung, Rechts- und Gesundheitsberatung und das Verkaufstraining) fortsetzen.
Auch wünschen sie sich weiterhin einen Lehrer, der ihnen beibringt, Kleider auf höherem Niveau zu nähen.

Momentan befinden wir uns in der 4. Periode, sie läuft nur noch bis zum Ende des Jahres 2016.
Auch hier gibt es wieder einen Fülle von intelligenten und interessierten Studentinnen. Aber sie wohnen sehr weit entfernt vom ALS/NAZO Zentrum. Ohne den täglichen Transport mit einem Auto zum Zentrum, den wir momentan ermöglichen können, können sie nicht zum Zentrum kommen.
Deswegen möchten diese Frauen in ihrem Dorf ein eigenes Näh-Studio aufbauen – und bitten um Unterstützung.

Fazit ganz allgemein: alle Studentinnen, die in den 4 Perioden im Zentrum ALS-Nejrab ausgebildet wurden haben ihre Zeit sehr gut genutzt. Eine arbeitet besser als die andere. Diejenigen, die aus verschiedenen Gründen nur die Grundausbildung durchlaufen konnten, arbeiten jetzt von zu Hause aus und nähen für ihre eigenen Familien.

Madina Noori, Managerin des NAZO-Ausbildungszentrum in Nejrab.

Nejrab, 18.09.2016

Nejrab, 18.09.2016

Dear Elke.

As the office of authorities in Nejrab is on the other side of Nejrab River and is far away from Nazo house and has 1 hour distance (by car) from us, so they always emphasized that the course should be carried out in the other side of the river and the students should be from students of the other side villages.
But we didn’t accept to carry out the whole course from this house into another house, we just agreed to have students for our fourth session of training from villages that are located into other side of Nejrab River.
Now we have 10 students from mentioned villages that are enrolled with consulate of the authorities, and 2 additional students from our own village that they have eager to learn the profession (but are not in our official list of students).
Because of distance of the way and making facilities for students, we have rented a car with a driver to carry out the students’ every day from other side of the river into Nazo house.

For students that graduates from Nejrab Tailoring course we want to have certificates with confirmation of the Ministry of Labour, Social Affairs, Martyrs and Disabled (MoLSAMD), so their representative in Nejrab district load times come to the Nazo house and supervises our work and the method of teaching. (The photos from 23-8-2016 are taken during meeting of this board from our course)

We are sure, that we will have succeed to have certifications for our students in the near future.
Like students of our last periods, this period of students are also very happy from Nazo personal and work and they want that when their trainings finished they can have a workshop near their villages (other side of the river).

Our current workshop in Nejrab is include of 15 students which are working with the help of their business teacher Mr. Mohammad Aalem. He brings them works from market and helps them how to handle the electronic machines.
Beside sewing the clothes of village women they also learned the sew of curtains (see in the photos), always they have good works - but near Eid their works are more.

With thanks and best wishes for you,
Madina

Nejrab, 22. Juli 2016

Nejrab, 22. Juli 2016

Liebe Elke, nach einigen Auseinandersetzungen mit den Behörden, einigten wir uns mit ihnen, die Schülerinnen der 4. Periode von der anderen Seite des Flusses Nejrab zu holen. Etwa 30 Minuten mit dem Auto. Die Studentinnen kommen aus mehreren Dörfern und versammeln sich im Zentrum auf dem Basar . Wir holen sie dann mit dem Auto und bringen sie ins Zentrum. Dafür müssen wir 200 € wöchentlich bezahlen. In ganz Nejrab hat es sich herum gesprochen, dass bei uns im Ausbildungszentrum sehr gute Arbeit geleistet wird und wir im Laufe der Jahre wesentlich bessere Ergebnisse erzielen konnten als andere NGOs. So haben wir jetzt neben unseren – von uns gewählten Studentinnen – auch Frauen, die freiwillig und ohne Ausbildungsbeihilfe bei uns lernen wollen. Sie lernen Nähen an den Maschinen und profitieren von unserer Kompetenz. Auch besuchen sie die Verkaufskurse, und die Kurse zur Gesundheitsvorsorge. In unserer Werkstatt arbeiten und lernen momentan 10 Frauen. Sie benutzen vorwiegend die großen elektrischen Maschinen, die ihren Strom vom Generator bekommen. Herr Mohammad Aalem ist ihr Verkaufstrainer, der ihnen auch beibringt, wie man die großen Maschinen bedient. Darüber hinaus ist er auch für die Wartung und Reparatur zuständig. Die Werkstatt-Studentinnen haben Kundinnen Frauen aus den einzelnen Dörfern. Der Unterhalt der Generatoren ist sehr teuer, außerdem machen sie Krach und stinken. Deswegen wäre es sehr gut, wenn wir demnächst Solarstrom haben könnten.

 

 

Ausbilder oder Ausbilderin

Da es für die meisten Berufe bisher keine weiblichen Lehrerinnen gab und gibt, waren wir von Anfang an darauf angewiesen, mit männlichen Lehrern zu arbeiten.
Die Schülerinnen, die zur Ausbildung zugelassen werden müssen den männlichen Lehrer akzeptieren. Wenn es nötig sein sollte, führen die Geschäftsführerin bzw. die Vereinsvorsitzende mit dem jeweiligen Familienoberhaupt ein klärendes Ge-spräch. Erst wenn die Familie zugestimmt hat, kann die Frau ins Zentrum kommen und lernen. Diese Gespräche wurden allerdings im Laufe der Jahre immer weniger nötig, weil sich die gute Arbeit des NAZO-Ausbildungszentrum in der Umgebung sehr schnell herumgesprochen hat.
Heute unterrichten viele unserer ehemaligen Schülerinnen in ihren Werkstätten eigene Lehrlinge.

Eine weitere positive Auswirkung unserer Berufsausbildung: Die Frauen können als Multiplikatorinnen ihr Wissen, ihren Beruf, an andere Frauen weitergeben und sind langfristig nicht mehr auf männliche Lehrer angewiesen.