Nazo

Viehprojekte ab 2012

Viemarkt in der Provinz Kapisa

Auf dem Lande bleibt den Frauen und Mädchen meist nur die traditionelle Rolle als Ehefrau und Mutter. Da die Dörfer oft weit ab liegen, keine Straßen, geschweige denn irgendwelche Verkehrsmittel dorthin führen, gibt es nur selten Schulen oder Ausbildungsmöglichkeiten. In den Dörfern können sich die Frauen am besten und unmittelbar eine eigene Lebensgrundlage aufbauen, wenn sie Vieh halten. Deshalb entwickelten die NAZO-Frauen die Projekte Kühe für Landfrauen.

Von Anfang an werden die Männer des Dorfes miteinbezogen:
- In die Auswahl der Familien;
- beim Kauf der Kühe und
- bei der Wahl des Ausbilders. 

Außerdem helfen die Männer beim Bau der Kuhställe, der Renovierung und Ausstattung des Unterrichtsraums.


Bauer Kazem unterrichtet die Landfrauen in Kamari.

Im Dorf selbst wird für 6 Monate bei einem Bauern ein Raum für den Unterricht angemietet. Die 16 Frauen, denen die Kühe später gehören, kommen zweimal wöchentlich beim Bauern zusammen, um all das zu lernen, was für eine erfolgreiche Viehhaltung wichtig ist. Das beginnt bei der Hygiene im Stall, setzt sich fort mit der Aufklärung über das richtige Futter, das Erkennen bestimmter Krankheiten und deren Bekämpfung und endet nicht zuletzt bei der Zubereitung und Vermarktung der Milchprodukte.

Im Rahmen unserer Projektreise haben die Frauen uns in ihr Dorf eingeladen, damit wir an der Verlosung von zwei Kälbchen teilnehmen, die die NAZO-Kühe zur Welt gebracht haben. Damit kein Neid oder Streit entsteht, wird jedes Mal das neue Kälbchen verlost. Diesmal gibt es ein weibliches und ein männliches Kälbchen. Beide Frauen, die die Kälber gewonnen Haben, verlassen den Hof des Bauern, ihres Lehrers, hoch erfreut. Frau Scharifa hat das weibliche Kalb gewonnen und strahlt – aber auch Schugria, die den kleinen Stier bekommen hat, ist zufrieden. Wenn er alt genug ist, wird sie ihn verkaufen und von dem Erlös eine Kuh erstehen.

Scharifa und Schugria mit ihren Kälbchen.

Auszug aus einem Gespräch mit den Landfrauen

1. Frau
Wir bemühten uns sehr – und nun sehen wir, dass wir auch erfolgreich waren. Wir können von dem Erlös der Milch unseren Haushalt führen. Wir konnten sogar Holz und Öl kaufen. Unsere ganzen Haushaltskosten bestreiten wir vom Verkauf der Kuh-Produkte.
Frage: Was haben Sie hergestellt?

Antwort: Wenn wir die Kühe gut ernähren und sie gut pflegen, können sie 3 oder 4 Liter – auch bis zu 10 Liter – Milch geben. Mehr geht ja nicht. Dann verarbeite ich die Milch zu Joghurt. 1 Zel (ca. 7 kg.)  konnte ich für 170 Afghanis verkaufen. Ich spare die Summe von einer Woche, manchmal von 10 Tagen an. Dann kaufe ich Mehl und anderes, was ich für den Haushalt brauche.
Frage: Wie haben sie den Joghurt verkauft?
Antwort: Da ich eine Frau bin, kann ich die Sachen nicht in die kleine Stadt bringen. Ich bat meinen Cousin. Er kommt zu mir, nimmt den Joghurt, verkauft ihn im Städtchen und bringt mir das Geld. Ja, er gibt mir das Geld direkt vor der Tür.

2. Frau
Ja, wir haben beim Bauern Kazem viel gelernt: Zu welchen Zeiten man die Tiere füttert, wie man die Futterstelle sauber hält, wie man den Boden unter den Füßen des Viehs sauber hält. Man kann ja nicht zu jeder Zeit die Tiere füttern. Das alles geht nach einem Plan. Vorher macht man den Futtertrog sauber und dann wirft man dort das Futter für das Vieh hinein. Genauso muss man ihnen zu bestimmten Zeiten Wasser geben. Wie wir unsere Wohnung sauber und bequem haben möchten, so möchte es auch die Kuh.
Frage: Hatten Sie schon Vorkenntnisse?
Antwort: Nein, ich hatte vorher noch keinen Umgang mit dem Vieh.

Von Frau Petersen aus Deutschland stammen die Gemüsesamen. Marina verteilt sie in Kamari. (links) In Nejrab erklärt Jawed einem interessierten Dorfbewohner die einzelnen Samen.