Nazo

40 Frauen erhalten eine Kuh oder ein Kälbchen

Erneut konnten wir Geldgeber finden für das Projekt: 20 Kühe und 20 Kälbchen für Frauen in Kapiza.

Das Projekt richtet sich an 40 hilfsbedürftige Frauen der Provinz Kapiza. Alle Frauen leben immer in einer Großfamilie – auch wenn sie unverheiratet oder verwitwet sind. Sie stammen aus armen Familien, die in den zurückliegenden 35 Kriegs- ,Bürgerkriegs- und Talibanjahren keine Chance hatten, zur Schule zu gehen, geschweige denn eigenes Geld zu verdienen. In den letzten Jahren ist die Analphabeten Quote gesunken auf 75,8 % , dennoch gehen gerade auf dem Lande immer noch zu wenig Mädchen zur Schule. Da gerade junge Mädchen und verwitwete Frauen oft als "lästige Esser" gelten, werden sie in der Regel sehr früh verheiratet, bzw. wieder verheiratet. Wenn die Frauen die Möglichkeit bekommen, eigenes Geld zu verdienen, wächst ihr Ansehen innerhalb des Familienverbandes und der Grund, die Großfamilie möglichst schnell zu verlassen, entfällt.

Projektbeschreibung

Madina, die Leiterin der Vieh-Projekte, stammt aus dieser Region – eine sehr wichtige Voraussetzung, um Vertrauen zu den Dorfältesten aufzubauen.
Die Menschen in dieser Provinz sind sehr arm. So ist es besonders gut (und wichtig), dass das Projekt „20 trächtige Kühe für 40 Landfrauen“ nicht nur 20 sondern 40 Familien zu eigenem Einkommen verhilft.
Es wurden 20 trächtige Kühe gekauft, die an bedürftige Frauen in den Gebieten Naw Abad, Hesa do 1, Hesa Do 2, und Koh Band verteilt wurden.
Das erste Kalb, das die Mutterkuh zur Welt bringt, wird an eine andere bedürftige Frau abgegeben. Die Mutterkuh bleibt weiter bei der Erst-Besitzerin und sichert ihr durch den Verkauf von Milch, Joghurt und Butter ein Auskommen. So können mit dem Kauf von 20 Kühen 40 Familien langfristig unterstützt werden.

Die meisten Frauen in der Provinz Kapiza halten schon Kleintiere, wie z.B. Ziegen und/ oder Hühner. Dennoch ist es nötig, ihnen die Grundkenntnisse der Großviehhaltung zu vermitteln. Monatlich findet ein Kurs statt, in dem die Frauen beim Veterinär zusammenkommen. Er lehrt die Kuh-Besitzerinnen alles, was für eine erfolgreiche Viehhaltung wichtig ist. Das beginnt bei der Hygiene im Stall und setzt sich fort mit der Aufklärung über das richtige Futter, das Erkennen bestimmter Krankheiten und deren Bekämpfung.
In einem anderen Kurs, der von einer ehemaligen „Kuh-Besitzerin“ gegeben wird, erlernen die Frauen die Milch zu Jogurt oder anderen Produkten zu verarbeiten. Hier kommen die Frauen außerhalb ihres Hauses zusammen, tauschen Erfahrungen aus und unterstützen sich. So wird ein tragendes Netzwerk aufgebaut.

Schon vor der Verteilung der Kühe werden auch die Frauen bestimmt, die später ein Kälbchen bekommen. Diejenigen, denen eine Kuh zugeteilt wird, müssen sich verpflichten, einen Stall für ihre Kuh zu bauen. 

In der Region Kapiza sind in den vergangenen Jahren viele Männer (Familienoberhäupter) im Kampf gegen die Taliban bzw. den IS getötet worden. Deswegen mussten einige Frauen das Amt des Familienoberhaupts übernehmen. In dieser Position fällt es ihnen leichter, auch die Vermarktung der Produkte auf dem Regionalmarkt zu erlernen und ihr Wissen an andere Frauen weiterzugeben.

Von Anfang an wird das Projekt von den einflussreichen Männern der Dörfer begleitet. Diese Strategie verfolgen die NAZO/ALS Frauen bei jedem Projekt. Nur wenn die Männer mit einbezogen werden, gibt es später keinen Ärger oder Neid in der Dorfgesellschaft. Dazu werden die wichtigsten Männer der Dörfer (Dorfvorsteher, Geheimdienstchef, Polizei, Mullah etc.) zu einem Festmahl geladen. Es müssen mehrere Ziegen gekauft und geschlachtet werden, anschließend wird das Festessen von den Frauen zubereitet.

 

 

Auf dem Land bleibt den Frauen und Mädchen meist nur die traditionelle Rolle als Ehefrau und Mutter.

Da die Dörfer oft weit ab liegen, keine Straßen, geschweige denn irgendwelche Verkehrsmittel dorthin führen, gibt es nur selten Schulen oder Ausbildungsmöglichkeiten. In den Dörfern können sich die Frauen am besten und unmittelbar eine eigene Lebensgrundlage aufbauen, wenn sie Vieh halten.
Deshalb entwickelten die NAZO/ALS-Frauen die Projekte „Kühe für Landfrauen“.
2011 begannen die NAZO/ALS-Frauen mit 8 trächtigen Kühen im Dorf Kamari (Provinz Kabul) mit ihrem ersten Projekt „Kühe für Landfrauen“. Mit 8 Kühen konnten im Laufe eines Jahres 16 Familien unterstützt werden.
2012 folgte das zweite Projekt „Kühe für Landfrauen“ ebenfalls mit 8 trächtigen Kühen im Gebiet Nejrab (Provinz Kapiza). (Auch hier wurden mit 8 Kühen im Laufe eines Jahres 16 Familien unterstützt.)
2015/16 wurde das Projekt „Kühe für Landfrauen“ mit 20 trächtigen Kühen auf mehrere Dörfer ausgeweitet. Dieses Mal wurden 40 Familien unterstützt.

2017/18 erhalten wieder 40 Frauen und ihre Familien mit einer Kuh, bzw. Kalb eine Lebendgrundlage.