Das Leben hat es nicht gut gemeint mit Fawzia. Die 80-jährige lebt im Dorf Butkhak, das heute zum Randgebiet Kabuls gehört. Im Alter von 23 Jahren wurde sie mit einem Verwandten verheiratet und brachte einen Sohn zur Welt, der mit einer Behinderung geboren wurde. Ihr Mann, der keine weiterführende Schulbildung hatte und selbstständig arbeitete, verstarb früh. Vor drei Jahren verlor sie auch ihren Sohn – ein weiterer schwerer Schicksalsschlag. Seitdem trägt sie die Verantwortung für ihre Schwiegertochter und neun Enkelinnen.
Mit tiefer Trauer erzählt Fawzia die Geschichte ihrer Enkelinnen. Drei von ihnen sind inzwischen verheiratet. Doch eine dieser Ehen schmerzt sie besonders: Ihre Enkelin wurde gegen ihren Willen gewaltsam verheiratet und fortgebracht – nur wenige Zeit nach ihrer Verlobung mit einem anderen Mann. Ohne männlichen Schutz im Haushalt fühlten sich die übrigen Mädchen zunehmend bedroht. Um sie zu schützen, bat Fawzia eine andere Enkelin samt Ehemann, bei ihnen einzuziehen – obwohl auch dieser schwer erkrankt ist.
Über längere Zeit erhielt die Familie eine befristete finanzielle Unterstützung. Das Geld, das alle drei Monate ausgezahlt wurde, reichte für Mehl, Öl und einige wenige weitere Lebensmittel – für ungefähr zwei Monate. Im dritten Monat wurde es meist dramatisch knapp. Nun ist diese Patenschaft ausgelaufen und Fawzia steht erneut vor der Frage, wie sie ihre Familie versorgen soll.
Eine Arbeit ist für die Frauen im Haushalt und in einer zunehmend streng reglementierten Gesellschaft unter dem Taliban-Regime nahezu unmöglich – insbesondere in einer Region, die fest an traditionelle Normen gebunden ist.
Als Fawzia Anfang 2026 von der Einstellung der Unterstützung erfuhr, traf sie das tief ins Herz. Sie sagt voller Sorge:
„ Ich weiß nicht, was ich danach tun soll.“
Trotz aller Not spricht sie den Mitarbeitenden von NAZO in Deutschland ihre tiefe Dankbarkeit aus: Diese Unterstützung sei bis heute „das Licht“ im Leben ihrer Familie gewesen.